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Bericht über die 6. Sitzung

Am Beginn der sechsten Sitzung der Steuerungsgruppe standen wieder Berichte aus den Beiräten und aus den Zentren.

Zentrum für Evangelische Predigtkultur:
Es wird von den Projekten Wettbewerb, Predigt-Coaching und Fachtagung berichtet und angeregt, dass es einen EKD-weiten Predigtpreis geben sollte. Konzeptionelle Ideen dazu wurden im Beirat bereits entwickelt. Der Preis sollte eher für eine gehaltene als für eine in Textform veröffentlichte Predigt verliehen werden und auch auf neue, innovative Formen der Verkündigung zielen (bspw. Poetry-Slam, Predigtfestival).

Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst:
Das Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst setzt verschiedene Projekte zu Feedback und Wirkfaktoren von Gottesdiensten um. Eine Auswertung des Synoden-Gottesdienstes der EKD ist geplant.

Zentrum Mission in der Region:
Der Beirat fragt nach exemplarischen Lösungsansätzen, bei denen eine Fokussierung auf die Region erfolgen soll. Große Erwartungen werden mit der Tagung "Regional ist 1. Wahl. Region als Gestaltungsraum für Kirche", die vom 19. bis 20. Oktober 2011 stattfinden wird, verbunden.

Fünf Jahre Reformprozess
Insbesondere anhand der ersten Ergebnisse des Forschungsprojektes zum Reformprozess von Christina Hoon, Universität Hannover, werden die Entwicklungen im Reformprozess diskutiert. Festgestellt wird:
- Die personale Repräsentanz des Prozesses hat sich verändert und ist breiter geworden. Ein wichtiger Erfolgsfaktor von Reformprozessen ist, dass er mit Leitungspersonen verbunden wird, die sich mit dem Prozess identifizieren ("Zuschreibung von Verantwortlichkeit").
- Die Studie zeigt die Notwendigkeit, immer wieder neue konzeptionelle Impulse zu entwickeln und zu vermitteln (Sensemaking/Sensegiving). Sonst gerät der Prozess in eine bloß operative Umsetzungsphase und läuft aus.
- Der Prozess braucht Symbole und gemeinsame Veranstaltungen.
- Nachdem organisationslogische Themen wie "Qualität" eindeutig angekommen sind, kann der Reformprozess neue Dynamik durch markante evangelische Theologie gewinnen (s. "13. Leuchtfeuer" im Impulspapier "Kirche der Freieheit").
- Mit der Lutherdekade ist eine historische Chance gegeben, den Reformprozess mit anderen Mitteln fortzusetzen, d.h. neue Formen von Kirche zu gestalten, ohne immer über Reformen zu reden.

"Evangelischer Gottesdienst" - Eine Frage an die EKD anlässlich der Entwicklung der Gottesdienst-Coach-Ausbildung
Bei der Diskussion um die Standardisierung der Gottesdienstcoach-Ausbildung geht es auch um einen Austausch von Coaches über die landeskirchlichen Grenzen hinaus und um die Frage der Grunderkennbarkeit des Evangelischen Gottesdienstes.
Es wird im Blick auf die Standardisierung der Ausbildung vor der Gefahr gewarnt, dass nicht-standardisierte Begleitung eine Abwertung erfahren könnte (vgl. Erfahrungen aus dem Seelsorgebereich). Wenn mehr Gemeinsamkeit erreicht werden soll, wäre ein gemeinsames Curriculum für die Ausbildung ein ausreichendes Instrument.
Das Thema "Gottesdienst-Coaches" und die grundsätzliche Frage, ob und - wenn ja - wie die EKD Aufgaben im Bereich Gottesdienst übertragen werden können, sollen getrennt weiterverfolgt werden.

Konsequenzen aus der "Kirchenmitgliederprognose 2009 bis 2040, Modellrechnungen zur voraussichtlichen Entwicklung der evangelischen Kirchenmitgliederzahl", hrsg. von der EKD, Februar 2011
Leitfragen sind: Wo steht der Reformprozess? Was bewirkt er?
Erfolge sind nicht leicht zu belegen. Das hat zwei Gründe:
1. Die grundlegenden Entwicklungen in der Gesellschaft sind zu stark, um dem entgegen wirken zu können.
2. Es werden zu zögerliche Reformanstrengungen vorgenommen!
Gewarnt wird davor, "in die Falle zu tappen", indem nur auf Faktoren geschaut wird, die sich einer Beeinflussbarkeit entziehen (Bevölkerungsentwicklung, Migrationsbewegungen, Überalterung). Einflussmöglichkeiten werden bei der Erhöhung der Taufquote, bei der Zahl der Aus- und Eintritte sowie bei der Mission an den Rändern identifiziert.
So scheint es ein anspruchsvolles, aber realistisch erreichbares Ziel zu sein, dass bis 2040 der prozentuale Anteil der evangelischen Bevölkerung nicht unter dem Stand von heute fallen wird. Dem entgegengehalten wird die Einschätzung, dass auch der prozentuale Anteil nicht zu halten sein wird. Die Kirche hat in der jungen Generation beunruhigend wenig Verankerung. Nur die Zuschauer der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ARD und ZDF sind im Schnitt älter als der Durchschnitt der Gemeindeglieder.

Es ist der Eindruck verbreitet, dass Reformen im Kern große Reduktionsprozesse seien, denen man absolut hilflos ausgesetzt ist. Entsprechend hoch ist der Widerstand gegen Reformen; es gilt aber, den Widerstand wahrzunehmen und ihn differenziert zu betrachten, wenn möglich ihn auch einzubeziehen und produktiv zu machen.

Die 1. Land-Kirchen-Konferenz "Auf dem Lande daheim" vom 14. bis 16. Juni 2011 in Gotha ist eines der ermutigenden Beispiele für Gelingendes im Reformprozess. Die Wahrnehmung einer allgemeinen Erschöpfung oder gar eines Widerstandes traf hier nicht zu. Die dort Versammelten sagten: "Die Situation ist schwierig. Wir wollen etwas tun!" Aufgrund dieser positiver Erfahrung werden zwei Wege vorgeschlagen:

1) Leute nicht nur mitnehmen, sondern mit in die Verantwortung nehmen! - Information/Transparenz allein reichen nicht aus.
Der Wutbürger ist egoistisch. (zitiert wird aus einer Analyse des Göttinger Professors Franz Walter; http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,druck-784664,00.html) "Engagierte Bürger werden in den nächsten Jahren ein bleibendes Sozialphänomen darstellen. Denn sie sind protesterfahren, sind hoch qualifiziert und kompetent. Sie verfügen über hohe Qualifikationen haben mittlerweile als ,junge Alte' reichlich Zeit - und sie vertreten handfeste, eigene Interessen. Eben das verleiht diesen Bewegungen ihre Schlagkraft."
2) Anknüpfungspunkte suchen
Der Soziologe Christian Pfeiffer (Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, KFN) stellt fest, "die römisch-katholische Kirche schafft es vor allem besser (scil. als die evangelische) die Kinder zu erreichen". (http://www.domradio.de/aktuell/74513/mehr-ministranten-weniger-gewalt.html) Sie bindet Jugendliche insbesondere durch ihre Arbeit mit Ministrantinnen und Ministranten stärker als wir. ("Im Jahr 2009 gab es in Deutschland 436.228 Ministranten; ihre Zahl hat sich damit seit der letzten Zählung 2004 um rund 43.000 erhöht" [Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ministrant]). Wo gibt es Anknüpfungspunkte mit ähnlichem Potential in der Evangelischen Kirche?

Ein 13. Leuchtfeuer?
Es geht um die Frage, ob es eine neu zu installierende "Theologische Perspektivkommission" geben sollte, die sich mit dem Reformbedarf in den theologischen Fragestellungen beschäftigen sollte.

Entgegengehalten wird, dass es zunächst eine Analyse der gegenwärtigen Situation geben muss. Die relevanten Themen sollen zuerst präzise erkannt und formuliert werden.

Die als exemplarische Anregungen formulierten theologischen Thesen zeigen an, welche Themen eine Rolle spielen könnten. Kritisch wird auf eine Leerstelle bei der Christologie hingewiesen, auf die relativierende Sicht des politischen Engagements der Kirchen und auf den provokanten Grundduktus. Demgegenüber wird auf den offenen Charakter der Thesen verwiesen, die eine erste Suchbewegung anzeigen.

Auch im Blick auf 2017 fehlt es an Theologie: Die Kirche brauche "ein theologisches Konzept für 2017, und zwar bis zum 31. März 2012 (wenn die Botschafterin für das Lutherjubiläum ihre Arbeit aufnimmt)." Grundsätzlich braucht der Reformprozess einen neuen kräftigen Impuls. Es gab seit 2006 einen großen Mut, als es um Strukturveränderungen ging; den gleichen Mut braucht es auch, wenn es um die Theologie geht. Darum müssen jetzt theologische Herausforderungen der Gegenwart aufgezeigt werden. Dazu kann ein zusammengerufener kommissarischer Think-Tank gut geeignet sein.

Zukunftsforum für die mittlere Ebene
Von jedem Kirchenkreis sollen zwei Personen als Teilnehmende benannt werden. Dies sollen
a) eine Person aus dem Kreis der Superintendenten/Superintendentinnen, Dekane/Dekaninnen, Pröpste/Pröpstinnen,
b) eine zu benennende Person, die im Kirchenkreis Verantwortung trägt (z.B. ehrenamtliche Präsides, Leiter der Verwaltungsämter, Leiter der kreiskirchlichen Ämter, Werke und Einrichtungen)
sein

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Publikationsdatum dieser Seite: 23.05.2012 15:43