Texte
Christoph Kähler
Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, Stellvertretender Vorsitzender des Rates der EKD
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
liebe Schwestern und Brüder,
verehrte Gäste,
im Namen des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland heiße ich Sie alle zum Zukunftskongress "Kirche der Freiheit im 21. Jahrhundert" herzlich willkommen.
Wir sind gespannt und auch etwas aufgeregt, was uns denn dieser Kongress bringen wird, denn - mit einer solchen Veranstaltung haben wir noch keine Erfahrung. Dies ist eine Premiere. Vermutlich wird es damit gehen wie bei vielen großen und kleinen Festen. Am Ende haben die am meisten davon, die sich selbst in der Vorbereitung und Durchführung beteiligt haben.
Das aber darf man mit Fug und Recht sagen: Viel mehr evangelische Christinnen und Christen als möglich hätten sich hier in Wittenberg gern beteiligt. Umfangreich war und ist Debatte um das Impulspapier "Kirche der Freiheit". In unsere Gespräche werden Überlegungen und Experimente aus allen 23 Landeskirchen eingehen.
Wir versammeln uns hier in Wittenberg in der Stadtkirche und freuen uns zugleich, dass vor einer Woche bei dem schweren Sturmschaden an der Schloßkirche kein Gottesdienstteilnehmer verletzt wurde.
Hier, an der anderen Predigtstätte Martin Luthers, denken wir mit dem Respekt vor den Vätern und Müttern der Reformation über die zukünftigen Wege unserer Kirche nach.
Sie alle, Bischöfinnen und Juristen, Pfarrer und Vikarinnen, Hochschullehrerinnen und Kirchenmusiker, ehrenamtlich Engagierte, Synodale und Kirchenvorsteherinnen, Sie alle werden in den kommenden Tagen fragen: Was können wir tun und gestalten, weil Gott an uns gehandelt hat? Sie nehmen die Diskussion auf, die das Impulspapier "Kirche der Freiheit" im letzten Jahr angestoßen hat und bringen Ihre eigenen Erfahrungen und Hoffnungen, die gelungenen Beispiele und Probleme Ihrer eigenen Kirche ein. Für dieses Engagement und Ihre Offenheit, die Sie mit Ihrer Teilnahme zum Ausdruck bringen, danke ich Ihnen im Namen des Rates der EKD herzlich.
Was ist das Ziel der gemeinsamen Arbeit? Lassen Sie es mich persönlich formulieren: Ich möchte, dass meine Enkel auf ihren Wegen durch Deutschland und Europa immer wieder Gastfreundschaft finden, die für die Menschenfreundlichkeit Gottes transparent ist, und eine Heimat, wo die Botschaft von der freien Gnade Gottes glaubhaft und einladend hörbar ist.
Mit Zuversicht und Mut, mit Neugier und Entschlossenheit wollen wir in Wittenberg Gewachsenes und Bewährtes würdigen und Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten wahrnehmen.
Viele Menschen in den Gemeinden schauen mit hohen Erwartungen auf diesen Kongress und begleiten unsere Arbeit mit Aufmerksamkeit und Gebet. Diese Fürbitte in den Gemeinden und das Vertrauen in den Heiligen Geist helfen uns, diese Aufgaben mit barmherzigem Realismus anzugehen.
Wir wollen und wir werden über die Zukunft der Kirche nicht im Verborgenen nachdenken, sondern öffentlich und nachprüfbar. Deswegen gilt ein ganz besonderer Dank allen Gästen des Zukunftskongresses, die Sie durch Ihre Anwesenheit heute Abend und in den kommenden Tagen Ihre Anteilnahme an der Debatte der Evangelischen Kirche deutlich machen.
Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die ökumenische Offenheit unserer Überlegungen ebenso wie die politische Verantwortung evangelischer Christen deutlich herauszustellen.
Stellvertretend für die zahlreichen Repräsentanten der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik begrüße ich
- den Bundesminister des Innern Dr. Wolfgang Schäuble,
- den Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt Prof. Dr. Wolfgang Böhmer
- die Mitglieder des Landeskabinetts, Minister Dr. Reiner Haseloff und Minister Prof. Dr. Jan-Hendrick Olbertz,
- sowie den Oberbürgermeister der Lutherstadt Wittenberg, Herrn Eckhard Naumann.
Für die ökumenischen Geschwister, die an dem Kongress teilnehmen, begrüße ich stellvertretend für alle Gäste und Teilnehmenden aus der Ökumene:
- Karl Kardinal Lehmann, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz,
- Pfarrer Jean-Arnold de Clermont, den Präsidenten der Konferenz Europäischer Kirchen und Präsidenten der Vereinigung Protestantischer Kirchen in Frankreich,
- Bischof Nikolas Baines, von der Church of England, den Co-Vorsitzenden der Meißen-Kommission,
- Bischof i. R. Dr. Walter Klaiber, den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland,
- und Pater Dr. Hans Langendörfer, den Sekretär des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz.
Auch dieser Kongress steht unter der Jahreslosung aus Jes 43,19. Wir wollen also sehen lernen, wo Gott selbst Neues schafft, wo es jetzt schon aufwächst und wo er uns durch seinen Geist zur Mitarbeit befähigt.
In diesem Sinne eröffne ich den Zukunftskongress der Evangelischen Kirche in Deutschland und gebe das Wort an den Vorsitzenden des Rates der EKD, Bischof Dr. Wolfgang Huber. Er hat seinen Eröffnungsvortrag unter das Thema gestellt: "Evangelisch im 21. Jahrhundert!".
Hinweis: Es gilt das gesprochene Wort

